"Landmarie" in Heinsberg

„Vom Kleinstadtmädchen zur Landmarie – mein Sprung ins Landleben“

Instagramerin Kathrin Volquardsen aus Schleswig-Holstein zu Gast in Heinsberg

„Wie kann/möchte ich meine Zukunft gestalten? Was sind meine Rollen? Welche Aufgaben übernehme ich überhaupt?“ Fragen über Fragen, die sich viele junge Frauen stellen, wenn sie sich für einen Partner mit landwirtschaftlichem Betrieb entscheiden. So auch Kathrin Volquardsen aus Nordfriesland, die keinerlei Berührung mit Landwirtschaft hatte und noch vor 10 Jahren nicht für möglich hielt, heute Mutter von drei Kindern und Bäuerin aus Leidenschaft zu sein.

Auf gleichermaßen persönliche wie professionelle Weise stellte sie im LandFrauen-Kreisverband Heinsberg ihren Weg vor, der nach einer Verwaltungsausbildung der Liebe wegen nach Flensburg führte: Dort genoss sie das Stadtleben sehr und blieb auch, als die langjährige Beziehung unerwartet endete. Bei einem Heimatbesuch lernte sie ihren heutigen Ehemann näher kennen, dabei „hatte ich KEINE Ahnung davon, was es bedeutet, wenn man sich auf einen Landwirt einlässt!!“ Das knappe Gut (Frei-)Zeit auf einem 450 Hektar Ackerbaubetrieb mit Legehennen sowie Schweine- und Mutterkuhhaltung für die Direktvermarktung wusste ihr Freund anfangs erfolgreich zu verbergen – bis zum krassen Gegensatz in der Erntezeit des ersten Sommers. Aus dieser und weiteren, teils als fast schockierend erlebten Überraschungen resümiert die Mittdreißigerin: „Ich musste lernen, Verständnis zu haben und die Euphorie eines Landwirts zu verstehen. Das war schwer! Anfangs habe ich mich aus allem rausgehalten und wollte mein selbst Aufgebautes bewahren. Auch die Begeisterung für Tierhaltung und das Dorfleben konnte ich nicht nachvollziehen.“ Beim Verstehen & Akzeptieren half ihr, dass niemand Erwartungen an sie stellte, auch nicht die heutigen Schwiegereltern, und „dafür bin ich sehr dankbar!“

Das dauerhafte Einleben auf dem Hof wurde von Wendepunkten begleitet: Die Geburt des ersten Kindes als Frühchen; nun Mutter, zu Hause und nicht mehr berufstätig sein – was jetzt? Kathrin Volquardsen hat es letztlich genossen und in der Zeit „für den Kopf“ am Lehrgang Agrarbürofachfrau teilgenommen, den sie sehr lobt und empfiehlt. Zwei weitere Kinder wurden geboren, die Corona-Pandemie brach aus, das Leben drehte sich komplett um Familie und Betrieb und wie viele auf dem Land genießt die junge Mutter den Alltag vor Ort ohne zahlreiche Verpflichtungen auswärts. Sie übernahm weitere Aufgaben „doch immer selbst gestaltet!“, kümmerte sich um die Werbung für den Hofladen und wurde damit auf Social Media aktiv. Der Name „Landmarie“ entstand, abgeleitet von der Hofbezeichnung Marienhof bzw. von Marie, der ersten Bewohnerin des Bauernhauses. Parallel dazu nahm sie immer wieder an Bildungsangeboten und so auch am Kurs Bauernhofpädagogik teil. „Ich hatte wenig Vorstellung davon, doch der Kurs war der Schlüssel zur Veränderung!“, die darin mündete, dass die Landmarie sich mit Bauernhoferlebnissen selbständig machte. „Was für uns auf dem Hof selbstverständlich ist, ganz einfache Dinge, bedeutet Glück für andere! Das erfüllt mich und ist beste Werbung für den Betrieb.“  Inzwischen sind Green Care-Angebote dazugekommen, die in SH als Alltagsförderung anerkannt sind und von der Pflegekasse bezahlt werden.

Ihr bisheriges persönliches Fazit umreißt die Landmarie so: Es ist wichtig, sich im Familienkonstrukt einzufinden und sich dabei unbedingt auch wohl zu fühlen. Es ist wichtig, dass der Betrieb läuft. Dann: „Auch wenn noch nicht klar ist, was genau Du machen willst – fang‘ einfach an! Nimm‘ DEINEN Platz ein und definiere Deinen eigenen Weg.“  

Um sich für ihren Weg der Bauernhoferlebnisse und Instagram-Aktivitäten freimachen zu können, sorgt zum Beispiel eine Mitarbeiterin für die Verpflegung von Familie und Arbeitskräften. Das schmälert zwar „was übrigbleibt“, doch ermöglicht, sich nicht „totzuarbeiten“, den eigenen Kindern Platz 1 zu geben und im Element zu sein.

Ihren Weg in einem Foto-Vortrag aufzuzeigen, stellte eine gelungene Premiere für Kathrin Volquardsen dar. Einschließlich reflektierender Fragen á la „Wann hast du das letzte Mal eine Entscheidung getroffen, die wirklich nur dir entsprochen hat – und nicht dem, was von dir erwartet wurde?“ nahmen die Teilnehmenden mutmachende Impulse mit und sind schon sehr gespannt, wie es mit der Landmarie weiter geht.

Maria Nacke-Pollmann

Foto: Landmarie
(Bild mit MC, MCP, KV, MF plus Teilnehmerinnen) Marie-Christin Peters (2.v.l.) hatte die Idee Kathrin Volquardsen (2.v.r.) einzuladen, die auf Instagram Einblicke in ihre Welt zwischen Chaos im Hühnerstall, Social Media Alltag und Landleben gibt. Ihre Kollegin im Kreisvorstand, Marion Frenken (r.), lud dazu ins Haus der Volksbank Heinsberg ein. Maria Cremer, Kreisvorsitzende, bedankte sich bei allen. Ihre siebenstündige Anreise verband die Landmarie mit dem Besuch ihres früheren Aupair-Mädchens am Niederrhein und wusste ihre drei Kinder (5, 6, 8) dort während der Weiterfahrt zum Vortrag gut aufgehoben. Foto: M. Nacke-Pollmann
(Bild KV mit Fotos im Hintergrund – wenn auch undeutlich) Professionell und mit persönlichen Fotos zeigte Kathrin Volquardsen auf, wie sie ins kalte Wasser sprang und ihren eigenen Weg fand. Fotos: Maria Nacke-Pollmann
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