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Raus aus der Komfortzone! Gelungene Online-Auftaktveranstaltung zum Leitthema „Fairer Konsum“

Auch wenn jede von ihrem heimischen Computer aus teilnahm - die Rheinischen LandFrauen sind gemeinsam nachhaltig stark!

„Vielgestaltig Nachhaltig“ so lautet das Leitthema der Rheinischen LandFrauen in den nächsten drei Jahren. Ziel ist es, durch Veranstaltungen und Aktionen von der Landes- bis zur Ortsebene LandFrauen und Verbraucher den nachhaltigen Umgang mit Umwelt und Ressourcen sowie soziale Aspekte bewusst zu machen und zum Umdenken anzuregen. Jedes Jahr hat ein Leitthema, begonnen wird mit „Fairer Konsum“, gefolgt von „Smarte Energie“ und „Bewusste Ernährung“. Am 25. Januar fand die Auftaktveranstaltung zum Thema 2021 „Fairer Konsum“ gemeinsam mit dem langjährigen Kooperationspartner, der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V., statt. Der Corona-Lage geschuldet, fand dieses Treffen online statt. RhLV-Präsidentin Jutta Kuhles und Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, freuten sich sehr, dass über 75 Teilnehmerinnen zuhause an ihren Computern dabei waren. Zwar vermissten alle den persönlichen Austausch wie er bei reellen Treffen möglich ist, angesichts morgens vereister Straßen hatte dieses Format aber wohl nicht nur Nachteile. Interessante, spannende Vorträge und einen regen Austausch darüber (im Chat) gab es auf jeden Fall.

 

Aufmunternde Botschaft der Ministerin

Moderatorin Petra Niesbach, Leiterin der Gruppe Umwelt der Verbraucherzentrale NRW, zeigte sich begeistert, dass es den Landfrauen gelungen war, Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Ursula Heinen-Esser für eine Videobotschaft zu gewinnen. „Ich halte es für einen großartigen Ansatz, dass Sie das Nachhaltigkeitspostulat für die kommenden drei Jahre in das Zentrum Ihrer Arbeit als LandFrauen-Verband stellen wollen“, äußerte sich die Ministerin ihrerseits begeistert. Auch das Land NRW starte mit einer neuen Strategie in ein Jahrzehnt der Nachhaltigkeit, die sich an der Agenda 2030 der Vereinten Nationen orientiere und die Dimensionen Ökologie, Ökonomie und soziale Aspekte umfasse.

Voll des Lobes war Heinen-Esser auch für das bereits jahrelange Engagement der Landfrauen bei der schulischen Bildung zu den Themen Ernährung, Nahrungszubereitung und Alltagskompetenzen, durchgeführt von zertifizierten Fachfrauen für Ernährungs- und Verbraucherbildung. Über den Ernährungsbereich hinaus vermittelten die Landfrauen umfassende Verbraucherkompetenz und setzten sich auch für eine finanzielle Allgemeinbildung junger Menschen ein, was ihr als Verbraucherschutzministerin alles besonders am Herzen läge. „In Zeiten einer arbeitsteiligen Produktion und weltweit verzahnter Lieferketten haben Konsumentscheidungen auch eine lokale und globale Auswirkung auf das Klima, die Umwelt und die sozialen Verhältnisse.“ Ihr Ministerium unterstütze die Verbraucher unter anderem mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE), dem Projekt MehrWertKonsum sowie dem Projekt Energie2020+.

 

Nachhaltigkeit geht alle an

Lobende und motivierende Worte für die Landfrauen und ihr Nachhaltigkeitsprojekt hatte auch Wolfgang Schuldzinski, denn dem aktuellen Klimabericht zufolge hätten wir keine Zeit mehr, es müsse jetzt etwas passieren. Davon ist auch Jutta Kuhles überzeugt: „Wir alle sorgen uns sehr um Ressourcen, unsere Umwelt, faire Preise und Wertschätzung.“ Daher stand das Thema Nachhaltigkeit als Leitthema für die nächsten drei Jahre schnell fest, wobei die RhLV-Landesgremien von den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der UN vor allem die Ziele „qualitative Bildung“ und „nachhaltige Produktion und Konsum“ angesprochen hätten. „Verantwortung beim Thema Konsum zu übernehmen, heißt zunächst, den eigenen Lebensstil zu überdenken und dem Produkt und den Produzenten Wertschätzung entgegen zu bringen. Aber auch die Produzenten sind zum Umdenken aufgefordert, sie tragen mindestens genauso viel Verantwortung für die Herstellung von Produkten wie die Konsumenten bei ihrer Kaufentscheidung“, nahm Kuhles auch die eigenen Reihen in die Pflicht. „Um den fairen Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und sozialen Standards zu erreichen, gilt es vor allem, aus der persönlichen Konsumkomfortzone herauszukommen.“ Dafür brauche es aber oft Recherche, Zeit und andere Wege. Sehr dankbar zeigte sich die Präsidentin daher für die jahrelange gute Kooperation mit der Verbraucherzentrale, die auch beim aktuellen Projekt erfolgreich fortgesetzt werde. Es gehe darum, nachhaltiges Handeln für Mitglieder sowie Verbraucherinnen und Verbraucher fühlbar zu machen, betonte Kuhles.

 

Was unser Konsum anderswo bewirkt

Wertvolle Gedankenanstöße und Praxisbeispiele als Anregung für die Landfrauen, welche Aktionen, Informationen oder Veranstaltungen sie beim Thema „Fairer Konsum“ einbringen möchten, lieferten die beiden Vorträge von den Mitarbeitern der Verbraucherzentrale im Anschluss. Unter dem Titel „Wir leben nur auf einer Insel – wie wir mit nachhaltigem Konsum unsere Erde bewahren können“ berichtete Philip Heldt, Referent der Gruppe Umwelt, am Beispiel von sieben über die ganze Welt verteilten Inseln, was unser Konsum und die damit verbundene Rohstoffgewinnung für die Bevölkerung vor Ort bedeuten. Am Beispiel Kreta machte er zunächst klar, dass Übernutzung nicht erst ein Phänomen unserer Neuzeit ist. Dort wurde bereits im Mittelalter so umfangreich gerodet, weil das Holz für den Schiffsbau und die Flächen für die Landwirtschaft gebraucht wurden, dass die einst bewaldete Insel heute überwiegend kahle, karge Hügel hat. Auf den Komoren leiden die heimischen Fischer unter einem EU-Abkommen, das Fischfang mit großen Schiffen erlaubt und ihnen ihre Lebensgrundlage sowie ihre Geschäfte durch Fischverkauf entzieht. Für die Aufschüttung der künstlich angelegten Inseln Palm Islands in Dubai wurde andernorts vor Bangladesch so viel Sand abgebaut, dass ganze Inseln verschwanden oder deutlich kleiner wurden. Beim Abbau von Bodenschätzen wie Zinn, Kupfer oder Gold, hauptsächlich genutzt für Elektrogeräte, verschwinden auf anderen Inseln der Welt die Ackerflächen oder das Trinkwasser wird vergiftet, sodass die Einheimischen in ihrer Existenz bedroht sind. Und nicht nur die Menschen leiden, auch die biologische Vielfalt vieler seltener Arten geht verloren. Als letzte Insel und als positives Beispiel nannte der Referent Kuba, das aufgrund eines US-Embargos von der Wirtschaft abgeschnitten ist. Daher sind die Bewohner darauf angewiesen, nachhaltig zu wirtschaften und beispielsweise ihre uralten Traktoren und Autos immer wieder kreativ zu reparieren. „Da müssen wir hin!“ appellierte Heldt, der betonte, dass Ressourcenschutz notwendig ist.

 

Das Projekt MehrWertKonsum

Erfahrungen und Anregungen aus dem von EU und der Landesregierung geförderten Projekt MehrWertKonsum der Verbraucherzentrale NRW gab Projektmitarbeiter Tim Schwermer in seinem Vortrag weiter. Vom Abfallaktionsbündnis über Streuobstwiesen und Tauschbörsen bis zur ZeroWaste-Initiative bietet das Projekt Unterstützungsangebote für Initiativen von Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Engagement für Nachhaltigkeit. Weitere Beispiele waren Tauschringe, Repaircafés, Solidarische Landwirtschaften, Foodsharing, der kostenlose Verleih von Lastenrädern oder Gemeinschaftsgärten. Ziele des Projekts seien unter anderem die Stärkung und Vernetzung des Engagements für nachhaltigen Konsum sowie das öffentlich Sichtbarmachen lokaler Initiativen. Auf der Landkarte

www.mehrwert.nrw/mitmachen/karte

sind bereits rund 750 Initiativen NRW-weit verzeichnet.

„Bei allem was wir tun, sollten wir das Ende bedenken. Das ist Nachhaltigkeit!“ gab RhLV-Vizepräsidentin Beate Löbach-Neff den Teilnehmerinnen zum Ende der Videokonferenz mit auf den Weg.

 

Text: Sabine Aldenhoff, LZ Rheinland

 
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