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"Machen macht den Unterschied!"

Erzeuger-Verbraucher-Dialog 2021

„Wie sag ich’s dem Verbraucher?“

„Der Erzeuger-Verbraucher-Dialog ist uns Landfrauen eine Herzensangelegenheit“, eröffnete RhLV-Präsidentin Jutta Kuhles die halbtägige Online-Fachtagung am Montag, 03.05.2021.

Zu dem wichtigen Thema hatten sich einige interessierte Landfrauen zusammengefunden, die von Experten Input haben wollten, engagiert Fragen stellten und mitdiskutierten.

„Die Anforderungen von Verbrauchern haben sich gewandelt und auch deren Wahrnehmung von bäuerlichen Familienbetrieben hat sich in letzter Zeit geändert. Kommunikation ist da immens wichtig!“, betonte die Präsidentin. Im Programm der Tagung stand daher zunächst der Punkt „Was wollen die Verbraucher?“ und im zweiten Schritt wurde dann darüber informiert und diskutiert, wie mit ihnen am besten kommuniziert werden kann. Dabei ist offenbar ein großer Schritt in die Moderne gefragt

Was wollen die Verbraucher?

Über Trends und Wünsche der Verbraucher referierte Florian Rösler, Referent für Ernährungskommunikation und Regionalvermarktung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. „Wir sprechen aus der Perspektive der Landwirtschaft und wollen gern gehört werden, aber was wollen die Verbraucher?“ Wichtig sei den Konsumenten laut Ernährungsreport 2020 in erster Linie die regionale Herkunft ihrer Lebensmittel und der Geschmack. Das Vertrauen in Lebensmittel steige stetig, während diese auch immer sicherer würden. Die Hälfte der Verbraucher achte auf Siegel, die ihnen weitere Sicherheit geben. Die Bedeutung der Landwirtschaft sei gestiegen, sie sei ja in Corona-Zeiten sogar als „systemrelevant“ eingestuft worden.

Aus Sicht der Konsumenten sollte die Landwirtschaft mehr machen in Sachen Tierwohl, faire Löhne, Qualität und umweltschonende Maßnahmen. Außerdem sollte sie sich um die Pflege ländlicher Räume kümmern, gesundheitsbelastende Emissionen senken, Produkte regional vermarkten und für Transparenz sorgen. Dennoch sei das Vertrauen in die Landwirtschaft allgemein relativ hoch, sodass eine gute Basis für den Erzeuger-Verbraucher-Dialog vorhanden sein, so Rösler.

Was ist ein Ernährungsrat?

„Weißt du, wo dein Essen herkommt?“, fragt der Ernährungsrat in Köln und Umgebung e. V. die Menschen, erläuterte Clara Dorn, Projektmanagerin bei dem Verein. Der Ernährungsrat, den es inzwischen auch in vielen anderen deutschen Großstädten gibt, setzt sich dafür ein, dass sich die Verbraucher regional und nachhaltig ernähren können und dabei die bäuerliche Landwirtschaft im Umland erhalten wird. Eines der Ziele, das die Landfrauen besonders freute, ist mehr Wertschätzung für Lebensmittel und ihre Erzeuger.

Im Ernährungsrat, der von der Stadt Köln und durch projektbezogene Fördermittel finanziert wird, tummeln sich Vertreter aus Initiativen, kommunaler Verwaltung, Gastronomie, Lebensmittelhandwerk, Landwirtschaft, Handel und von Verbraucherseite. Häufig tritt der Verein als Kontaktvermittler zwischen verschiedenen Interessengruppen auf. Mit seinen Themen Regionalvermarktung sowie Ernährungsbildung und Gemeinschaftsverpflegung rennt der Ernährungsrat bei den Landfrauen offene Türen ein. Eine künftige Zusammenarbeit ist geplant: „Ich nehme den Aufruf mit, dass wir Landfrauen uns im Ernährungsrat einbringen. Es könnte eine gute Partnerschaft werden“, zeigte sich Kuhles optimistisch.

Wie kommunizieren?

Wie sich die Anforderungen an die Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Verbrauchern verändert haben, darüber informierte Dr. Manuel Ermann, Spezialist für digitale Kommunikation bei Syngenta Seeds und Dozent für Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Der Frust in der Landwirtschaft sei groß über Vorwürfe, unsachliche Einmischungen und Unverständnis in Teilen der Gesellschaft. Andererseits musste der Referent aber einräumen, dass die Branche ihre Risikothemen (z. B. Ferkelkastration, Kastenstand, Glyphosat) öffentlich nicht ausreichend kritisch behandelt und Zielkonflikte nur mangelhaft kommuniziert habe, sodass der Bevölkerung ein Verständnis für die Situation auf den Höfen fehlt. Zwar kommuniziere die Landwirtschaft inzwischen, aber kommen die Botschaften in der Gesellschaft auch an?

Aus Sicht des Experten für Agrarkommunikation und -marketing ist der Konflikt zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft auf den Verlust von Vertrauen zurückzuführen und dieses gilt es nun wieder zurückzugewinnen. Vertrauenswürdigkeit basiere auf den vier Eigenschaften Kompetenz, Empathie gegenüber der Zielgruppe, Integrität und Zuverlässigkeit. Als Werkzeuge für die Kommunikation mit der Gesellschaft nannte Dr. Ermann die hofeigene Website als „Visitenkarte“ und Informationsquelle für interessierte Verbraucher, Social Media als kostengünstiges und direktes Kommunikationsmedium sowie die landwirtschaftlichen Veranstaltungen oder „runde Tische“. Des Weiteren empfahl er, Influencer oder Agrarblogger sprechen zu lassen, die Stalltüren zu öffnen und Einblicke zu gewähren, Kooperationen mit gesprächsbereiten Natur- und Umweltschützern einzugehen sowie eine aktive Pressearbeit.

Ran an die sozialen Medien!

Wo und wie informieren sich Menschen heute? Mit dieser Fragestellung führte Jutta Zeisset, Social-Media-Managerin, Landfrau und Inhaberin des MuseumsCafés & Hofladen Zeisset in Weisweil, Baden-Württemberg, die Teilnehmerinnen auf ihren Appell hin, auf vielen Kanälen zu kommunizieren. Die Älteren informieren sich noch klassisch über Printmedien, Fernsehen und Radio. Diejüngeren Generationen hingegen teilweise nur noch online inklusive Social Media. Aufgrund der aktuellen Altersstruktur der Kunden und Verbraucher müsse die Branche daher vorerst einen Mix aus verschiedenen Medien bedienen, es käme nur auf die Gewichtung an. „Wie viele Flyer brauchen wir wirklich noch? Schaut, dass ihr eine ordentliche Website habt! Sie ist die Basis für alle eure Kanäle, ebenso für Flyer wie auch für Social Media“, betonte die Referentin. „Die Zukunft gehört den sozialen Medien! Darauf keinen Bock zu haben, können wir uns nicht mehr leisten!“

Umfragen zeigten, dass die junge Generation vor allem Youtube und Instagram für Nachrichten nutze, gefolgt von Facebook und Whatsapp, Twitter spiele eine untergeordnete Rolle. „Wir müssen uns dessen bewusst sein, dass Filme viel mehr sagen als ein einzelnes Bild!“ Die große Herausforderung sei heute die Vielfalt der Portale; neben den bereits genannten gibt es unter anderem noch Tiktok, Snapchat, Telegram, Google Assistant, Linkedin/Xing und Alexa Skill. „Fangt mit einem Portal an, das euch Spaß macht, betreibt es mit Leidenschaft und bleibt dran“, so die Aufmunterungen der süddeutschen Landfrau. Social Media heiße, dass man Interesse am anderen hat und auch bereit ist, Kommentare zeitnah zu beantworten. „Nehmt euch Zeit dafür!“

Welche Trends sind aktuell? Ganz klar im Trend liege Tiktok, das einst für Musikvideos gedacht war. Aber es sei heute viel mehr als das, man könne dort wunderbar Dinge erklären. Dort tummeln sich die 13- bis 25-Jährigen, unsere Kunden von morgen, die man noch beeinflussen könne. Jutta Zeisset ermahnte sowohl die einzelnen Landfrauen mit ihren Betrieben als auch die Verbände, schneller zu werden mit ihrer Teilnahme an Social Media. Auf neuen Portalen müsse man als einer der Ersten mit dabei sein und die Modewelle mitnehmen. Die jungen Leute seien durchaus interessiert, wo das Essen herkommt, aber man müsse sie eben auf ihren Kanälen erreichen.

Dazu gehöre auch Instastory, eine Funktion von Instagram mit höheren Reichweiten. Gepostet werden sollte regelmäßig, das heißt, mindestens zweimal in der Woche, besser häufiger. Hilfreich sei die Facebook Business

Suite, eine App, die das gemeinsame Posten auf Facebook und Instagram sowie die Planung dafür erlaube. Ein weiteres wertvolles Werkzeug ist canva.com zur Erstellung von professionellen Postings. Bei pixabay.de gebe es kostenlose gute Bilder. Und zum Schluss machte die Powerfrau ihren Landfrauen-Kolleginnen noch mal viel Mut, es einfach anzupacken, denn: „Machen macht den Unterschied!“

(Artikel: Sabine Aldenhoff, LZ-Rheinland)

 
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